PermaWaldGarten


Projektbericht Zizishausen
Im Gespräch mit dem Besitzer wurde schnell klar: Diese Fläche macht viel Arbeit. Die Trockenheit setzt ihr spürbar zu, die alten Bäume sterben Stück für Stück ab, und jedes Jahr wird eigentlich nur noch Totholz herausgesägt. Neupflanzungen wachsen kaum an, die Brombeere drückt entlang der gesamten Grundstücksgrenze immer weiter hinein. Dazu kommt: Auf der Fläche selbst gibt es kein Wasser. Zum Gießen muss also jedes Mal Wasser mit dem Anhänger hingefahren werden, ein enormer Aufwand, gerade in trockenen Phasen.
Und doch wirkt die Fläche auf den ersten Blick wunderschön. Eine leichte Hanglage, ein weiter Blick Richtung Schwäbische Alb, Sonnenaufgang hinter der Burg Teck und Sonnenuntergang auf der anderen Seite. Eine Bank lädt Spaziergänger zum Verweilen ein. Die Wiese selbst ist erstaunlich abwechslungsreich, viele verschiedene Pflanzen blühen, und eigentlich bringt dieser Ort vieles mit, was man sich für eine lebendige Streuobstwiese wünscht.
Die Ausgangslage scheint also gar nicht schlecht. Doch der Zustand der Bäume erzählt eine andere Geschichte. Irgendetwas stimmt hier nicht.
Unsere Ziele auf der Fläche
Unser Ziel ist es, die Fläche in Zizishausen Schritt für Schritt wieder zu stabilisieren und so weiterzuentwickeln, dass sie langfristig gesünder, lebendiger und mit weniger Aufwand bewirtschaftbar wird.
.png)
Boden verbessern
.png)
Alte Streuobstwiese revitalisieren
.png)
Biodiversität steigern
_JPG.jpg)
Im Mittelpunkt steht für uns zuerst, die Ursachen hinter dem Zustand der Bäume besser zu verstehen.
Denn auch wenn die Fläche auf den ersten Blick viel Potenzial mitbringt, zeigt der Zustand der Altbäume klar, dass hier etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wir wollen herausfinden, was die Bäume schwächt und welche Maßnahmen wirklich sinnvoll sind, statt nur Symptome zu behandeln.
Ein zentraler Punkt dabei ist der Boden. Unser Ziel ist es, den Boden wieder aufzubauen und zurück in Balance zu bringen. Denn ein gesunder Boden ist die Grundlage für vitale Bäume, artenreiche Wiesen und eine Fläche, die mit Wetterextremen besser umgehen kann.
Es geht darum, Bodenleben zu fördern, Humus aufzubauen, die Speicherfähigkeit für Wasser zu verbessern und die natürlichen Prozesse auf der Fläche wieder zu stärken.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Wasser. Gerade weil auf der Fläche selbst kein Wasser vorhanden ist und das Gießen mit großem Aufwand verbunden ist, möchten wir die Fläche so entwickeln, dass sie Wasser besser im Boden halten kann und junge Pflanzen bessere Chancen haben, anzuwachsen.
Es geht also nicht darum, immer mehr von außen auszugleichen, sondern die Fläche so zu stärken, dass sie mit Trockenphasen besser umgehen kann.
Gleichzeitig wollen wir die bestehende Vielfalt der Wiese erhalten und weiter fördern. Die Fläche bringt bereits viele verschiedene Pflanzen mit und hat dadurch eine gute Grundlage.
Darauf möchten wir aufbauen, indem wir die Biodiversität weiter stärken, sinnvolle Strukturen ergänzen und die Fläche als Lebensraum für Pflanzen, Insekten, Vögel und andere Tiere aufwerten.

Durch das Mulchen bleibt die Feuchtigkeit im Boden und der Boden trocknet nicht aus, so haben es unsere Neuzugänge durch den Sommer geschafft.


Mit dem Raiffeisen Laborservice arbeiten wir seit der ersten Fläche zusammen.
Bodenanalyse Zizishausen
Die Bodenanalyse zeigt: Die Fläche in Zizishausen bringt grundsätzlich gute Voraussetzungen mit, ist aber deutlich aus dem Gleichgewicht geraten.
Mit einem Humusgehalt von 5,64 % gehört der Standort zu den stark humosen Böden. Auch der pH-Wert von 6,5 liegt im optimalen Bereich für die Nutzung als Streuobstwiese. Das ist grundsätzlich eine gute Basis für Bodenleben, Wasserspeicherung und Pflanzenwachstum.
Gleichzeitig zeigt die Analyse aber auch klar:
Die Fläche ist insgesamt unausgewogen versorgt.
Besonders auffällig sind:
zu viel Stickstoff,
zu wenig Phosphor,
zu wenig Kalium,
sowie ein sehr enges C/N-Verhältnis von 9,4 : 1
Der Stickstoffgehalt liegt mit 348 mg/100 g im Bereich extrem hoch. Das Labor weist ausdrücklich darauf hin, dass ein Überschuss die Widerstandskraft der Pflanzen gegen Krankheiten und Schädlinge reduzieren kann. Gleichzeitig ist Phosphor mit 3 mg/100 g sehr niedrig und Kalium mit 17 mg/100 g niedrig versorgt. Gerade diese Nährstoffe sind wichtig für Wurzelentwicklung, Fruchtbildung, Wasserhaushalt und die allgemeine Stabilität der Pflanzen.
Auffällig sind zudem sehr hohe Spurenelementwerte bei Mangan, Eisen und Zink. Besonders der hohe Eisenwert ist für uns ein wichtiger Hinweis, denn das Labor schreibt dazu, dass zu hohe Eisenwerte oft durch Sauerstoffmangel im Boden entstehen, zum Beispiel durch Verdichtungen oder Staunässe. Das passt zu unserer Beobachtung, dass der Boden auf der Fläche trotz des guten Humusgehalts vor allem im Sommer oft sehr trocken, hart und rissig wirkt.
Genau das ist ein wichtiger Punkt:
Ein hoher Humusgehalt allein bedeutet noch nicht automatisch, dass ein Boden auch strukturell gesund ist oder Wasser in Trockenphasen gut verfügbar hält. Gerade auf Lehmböden kann der Boden trotz guter Humuswerte bei Hitze stark austrocknen, verhärten und aufreißen, wenn Struktur, Durchlüftung und Wasserhaushalt nicht im Gleichgewicht sind. Die Probe bestätigt deshalb für uns vor allem eines: Nicht nur die Nährstoffversorgung, sondern auch die Bodenstruktur spielt hier eine zentrale Rolle.
Unser Maßnahmenplan setzt deshalb nicht auf kurzfristige Symptombekämpfung, sondern auf einen schrittweisen Aufbau von Balance im System:
Bodenleben fördern,
Wasserhaltefähigkeit verbessern,
den Unterboden über tiefwurzelnde Pflanzen langfristig lockern,
überschüssigen Stickstoff über angepasste Pflege nach und nach abbauen
und die Fläche insgesamt wieder in ein stabileres Gleichgewicht bringen.
So entsteht Schritt für Schritt ein widerstandsfähiger Lebensraum, der Trockenphasen besser abpuffern kann, die Obstbäume langfristig stärkt und gleichzeitig Raum für mehr Artenvielfalt schafft.
Unsere Maßnahmen
Ein erster wichtiger Schritt war das Thema Wasserverfügbarkeit. Da auf der Fläche selbst kein Wasseranschluss vorhanden ist und das Gießen sonst nur mit großem Aufwand über den Anhänger möglich wäre, haben wir an den kleinen Bauwagen, der als Gerätelager dient, eine Regenrinne angebracht und einen 1000-Liter-IBC-Container angeschlossen.
So kann Regenwasser direkt vor Ort gesammelt und bei Bedarf für junge Pflanzungen genutzt werden.
Um das Wasser zusätzlich besser auf der Fläche zu halten, haben wir einen Swale angelegt, allerdings nicht als klassischen offenen Graben, sondern in einer für diesen Standort angepassten Form. Statt eines ausgehobenen Grabens haben wir den Bereich mit Holzhackschnitzeln aufgebaut und dort tief- und flachwurzelnde Pflanzen gesetzt. Diese bremsen das abfließende Wasser, fördern das Einsickern und helfen gleichzeitig dabei, den Boden zu beleben und zu durchwurzeln. Der Swale liegt bewusst zwischen den Bäumen, sodass die bestehenden Obstbäume mit ihren Wurzeln gut an die dort gespeicherte Feuchtigkeit herankommen können.



Ein weiterer großer Schritt war die Pflanzung einer natürlichen Hecke entlang der Grundstücksgrenze. Dafür haben wir fast 100 Pflanzen gesetzt. Diese Hecke erhöht die strukturelle Vielfalt auf der Fläche enorm und schafft zusätzlichen Lebensraum für Vögel, Insekten und viele andere Arten. Gleichzeitig soll sie helfen, den Druck der Brombeere langfristig zu reduzieren, indem sie selbst Licht, Raum und Energie beansprucht und so nach und nach eine lebendige, stabile Konkurrenz aufbaut.
Parallel dazu pflegen wir den bestehenden Altbaumbestand weiter. Die bereits in Mitleidenschaft gezogenen alten Bäume werden von uns schonend zurückgeschnitten, um sie zu entlasten und ihre weitere Entwicklung bestmöglich zu begleiten. Dort, wo Bäume bereits verloren gegangen sind oder langfristig ausfallen, pflanzen wir gezielt nach, damit die Fläche auch in Zukunft als Streuobstwiese erhalten bleibt und sich schrittweise wieder verjüngen kann.
Auch die Mahd passen wir an den Standort an. Statt die Fläche intensiv zu nutzen, setzen wir auf eine extensive Mahd. So trocknet der Boden im Sommer weniger stark aus, mehr Wurzelmasse bleibt im System und zusätzlich entsteht mehr Biomasse, die langfristig dem Boden zugutekommt. Gleichzeitig fördern wir dadurch eine vielfältigere Wiesenstruktur und schaffen bessere Bedingungen für viele Pflanzen- und Tierarten.
All diese Maßnahmen greifen ineinander:
Sie helfen dabei, Wasser besser auf der Fläche zu halten, den Boden aufzubauen, die Bäume zu entlasten, neue Strukturen zu schaffen und die Fläche insgesamt widerstandsfähiger gegen Trockenheit und andere Belastungen zu machen.
Was wir gepflanzt haben – und warum das wichtig ist
Entlang der Grundstücksgrenze haben wir eine vielfältige, naturnahe Hecke mit 112 Pflanzen aufgebaut. Sie soll nicht nur die Brombeere langfristig eindämmen, sondern vor allem mehr Struktur, Nahrung und Lebensraum auf die Fläche bringen.
Gepflanzt wurden unter anderem:
Felsenbirne, Berberitze, Kornelkirsche, Hasel, Weißdorn, Sanddorn, Heckenkirsche, Schlehe, Holunder, Schneeball, Salweide, Stachelbeere und rote Johannisbeere.
Ergänzt wurde die Pflanzung durch Beinwell als wichtige Staude für Bodenaufbau und Durchwurzelung.
Diese Mischung ist für die Natur besonders wertvoll, weil sie über viele Monate hinweg Blüten, Pollen, Nektar, Früchte, Samen, Schutz und Nistmöglichkeiten bietet.
Frühblüher wie Salweide, Kornelkirsche und Schlehe sind für Insekten besonders wichtig, wenn im Jahr sonst noch wenig blüht.
Fruchttragende Sträucher wie Holunder, Weißdorn, Felsenbirne und Schneeball liefern Nahrung für Vögel und andere Tiere.
Dichte Gehölze wie Hasel, Schlehe und Weißdorn schaffen geschützte Rückzugsräume und erhöhen die Strukturvielfalt auf der Fläche.
Gleichzeitig hilft die Hecke auch ganz praktisch dabei, die Fläche zu stabilisieren:
Sie beschattet den Randbereich, durchwurzelt den Boden, bremst Wind, hält Feuchtigkeit besser im System und baut mit der Zeit eine lebendige Konkurrenz zur Brombeere auf. So entsteht nicht nur eine natürliche Begrenzung, sondern ein ökologisch wertvoller Saum, der die gesamte Fläche langfristig stärkt.

Ausblick
Die Entwicklung in Zizishausen ist ein fortlaufender Prozess.
Wir beobachten weiter, wie sich Boden, Wasserführung, Pflanzungen und Altbäume entwickeln, und leiten daraus die nächsten Schritte ab. Manche Veränderungen brauchen Zeit. Besonders dort, wo es nicht um kurzfristige Korrekturen, sondern um den Aufbau eines stabilen Systems geht.
Mit jeder Maßnahme, die Wasser auf der Fläche hält, den Boden belebt, die Vielfalt erhöht und die Bäume entlastet, wächst hier Stück für Stück wieder ein widerstandsfähiges Ökosystem.
Nicht alles lässt sich sofort lösen. Aber genau darin liegt auch die Stärke dieses Projekts:
Wir arbeiten nicht gegen die Fläche, sondern mit ihr. Beobachtend, lernend und Schritt für Schritt aufbauend.










