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Waldgarten anlegen: Ideen für einen essbaren, naturnahen Garten
Wer einen Waldgarten anlegen möchte, versucht nicht, einen klassischen Wald im Garten nachzubauen. Die Idee besteht vielmehr darin, Bäume, Sträucher, Stauden, Bodendecker und Kletterpflanzen so miteinander zu kombinieren, dass ein mehrschichtiges, überwiegend ausdauerndes Pflanzsystem entsteht. Obst, Beeren, Kräuter und andere nutzbare Pflanzen wachsen dabei auf verschiedenen Höhen und nutzen den vorhandenen Raum gemeinsam. Dieses Prinzip wird häufig dem Forest Gardening beziehungsweise der Agroforstwirtschaft zugeordnet.
Ein Waldgarten kann dabei sehr unterschiedlich aussehen: vom kleinen essbaren Garteneck rund um einen Apfelbaum bis zu einem größeren Food Forest mit Wegen, Obstgehölzen, Beerensträuchern, Kräutern, Wildpflanzen und Sitzplätzen.
Waldgarten anlegen: zuerst in Pflanzenschichten denken

Eine der wichtigsten Ideen beim Waldgarten ist die Nutzung der dritten Dimension. Statt ausschließlich nebeneinander anzubauen, werden Pflanzen unterschiedlicher Höhe miteinander kombiniert. Genau diese mehrschichtige Bepflanzung ist ein charakteristisches Merkmal von Waldgärten.
Ganz oben können beispielsweise Apfel-, Birnen-, Pflaumen- oder kleinere Nussbäume stehen. Darunter finden Haselnuss, Kornelkirsche, Johannisbeere, Stachelbeere oder Himbeere ihren Platz. Die niedrigeren Bereiche können mit mehrjährigen Kräutern, essbaren Stauden, Erdbeeren oder anderen Bodendeckern bepflanzt werden. An geeigneten Stellen kommen Kletterpflanzen hinzu.
Wichtig ist allerdings, die Schichten nicht möglichst dicht aufeinanderzustapeln. Licht bleibt auch im Waldgarten ein entscheidender Standortfaktor. Besonders in kleinen Gärten ist eine eher lockere Baumkrone oft sinnvoller als eine stark beschattete Fläche. Wald- und Waldrandstandorte zeichnen sich gerade an den helleren Übergangsbereichen durch eine hohe Pflanzenvielfalt aus.

20 Ideen für deinen eigenen Waldgarten
Welche Elemente sinnvoll sind, hängt von Grundstücksgröße, Boden, Niederschlag, Ausrichtung und vorhandenen Gehölzen ab. Für die Planung können diese Ideen als Ausgangspunkt dienen:
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Einen Obstbaum als Mittelpunkt wählen: Ein bestehender oder neu gepflanzter Apfel-, Birnen- oder Pflaumenbaum kann die obere Schicht eines kleinen Waldgartens bilden.
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Eine Beerenzone darunter anlegen: Johannisbeeren, Stachelbeeren oder Himbeeren schaffen eine zweite essbare Ebene.
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Haselnüsse integrieren: Haselsträucher liefern Nüsse und können gleichzeitig Struktur und Sichtschutz schaffen.
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Kornelkirsche als Wildobst verwenden: Sie verbindet Nutzwert mit einer naturnahen Gestaltung.
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Walderdbeeren als Bodendecker einsetzen: Sie können offene Bodenflächen zwischen größeren Pflanzen begrünen.
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Mehrjährige Kräuter bevorzugen: Schnittlauch, Zitronenmelisse, Minze oder andere standortgeeignete Kräuter müssen nicht jedes Jahr neu ausgesät werden. Stark ausbreitende Arten sollten allerdings gezielt begrenzt werden.
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Bärlauch für schattigere Bereiche prüfen: Unter passenden Bedingungen eignet er sich für lichte Gehölzbereiche. Beim Sammeln und Pflanzen ist eine sichere Bestimmung wichtig.
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Rhabarber als große Nutzstaude einsetzen: Seine großen Blätter setzen optische Akzente und schaffen schnell viel Pflanzenmasse.
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Kletterpflanzen nach oben führen: Weinreben oder geeignete Kiwi-Arten können Pergolen und stabile Rankhilfen nutzen, ohne Obstbäume unnötig zu belasten.
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Eine essbare Waldkante gestalten: Statt einer geraden Hecke können Obstbäume, Beerensträucher, Kräuter und Bodendecker stufenweise ineinander übergehen.
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Geschwungene Mulchwege anlegen: So bleiben alle Pflanzen erreichbar, ohne den bewachsenen Boden regelmäßig betreten zu müssen.
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Eine kleine Lichtung einplanen: Nicht jeder Quadratmeter muss mit Gehölzen gefüllt werden. Sonnige Öffnungen schaffen Platz für wärme- und lichtliebende Pflanzen.
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Einen Sitzplatz in den Waldgarten integrieren: Eine Bank unter einem Obstbaum macht aus dem Nutzgarten gleichzeitig einen Aufenthaltsbereich.
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Totholz als Lebensraum nutzen: Unbehandeltes Holz kann an geeigneten Stellen als naturnahes Strukturelement liegen bleiben.
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Blühpflanzen zwischen Nutzpflanzen setzen: Unterschiedliche Blütezeiten erhöhen das Nahrungsangebot für verschiedene Insekten.
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Regenwasser auffangen: Dachwasser aus Regentonnen oder Zisternen kann insbesondere während der Anwuchsphase der Gehölze hilfreich sein.
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Den Boden dauerhaft bedeckt halten: Lebende Bodendecker oder organisches Mulchmaterial reduzieren offene Bodenflächen.
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Bestehende Bäume einbeziehen: Ein Waldgarten muss nicht auf einer freien Fläche beginnen. Vorhandene Obst- oder Laubbäume können zum Ausgangspunkt der Gestaltung werden.
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Eine kleine Naschroute gestalten: Wege können an Erdbeeren, Beerensträuchern, Kräutern und Obstgehölzen vorbeiführen.
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Nicht alles gleichzeitig pflanzen: Zuerst die langfristige Struktur aus Wegen und Gehölzen festlegen und die unteren Schichten anschließend schrittweise ergänzen.
Kleine Waldgärten funktionieren ebenfalls
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Für einen Waldgarten braucht man nicht zwangsläufig ein großes Grundstück. Die grundlegende Idee lässt sich auch auf relativ kleinen Flächen umsetzen. Die RHS zeigte beispielsweise bereits einen kompakten Food Forest, bei dem ein kleiner Nutzbaum mit essbaren Bodendeckern, unterirdischen Kulturen und einer Kletterpflanze kombiniert wurde.
Auf einer kleinen Fläche sollte die Auswahl besonders sorgfältig erfolgen. Ein stark wachsender Walnussbaum kann beispielsweise langfristig deutlich mehr Platz beanspruchen als ein schwach wachsender Obstbaum. Auch bei Hasel, Brombeere oder Himbeere muss berücksichtigt werden, wie stark die Pflanzen später wachsen und sich ausbreiten.
Für kleine Gärten ist deshalb häufig ein Mini-Waldgarten mit drei oder vier gut geplanten Ebenen sinnvoller als der Versuch, möglichst viele Pflanzenschichten unterzubringen. Ein kleiner Obstbaum, zwei bis drei Beerensträucher, einige Stauden, Bodendecker und eine Rankpflanze können bereits einen deutlich waldgartenartigen Charakter erzeugen.
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Aus einem Obstgarten einen Waldgarten machen
Wer bereits Obstbäume besitzt, hat einen guten Ausgangspunkt. Statt den Boden darunter ausschließlich als Rasenfläche zu nutzen, können nach und nach zusätzliche Pflanzenschichten entstehen.
Dabei sollte zunächst beobachtet werden, welche Bereiche im Tagesverlauf sonnig, halbschattig oder schattig sind.
Direkt am Stamm eines großen Baumes können Licht und Wasser knapp sein, während der Bereich entlang des Kronenrandes ganz andere Bedingungen aufweist.
Anschließend können geeignete Beerensträucher, Stauden und Bodendecker ergänzt werden. Eine solche Kombination ähnelt dem Grundprinzip, das auch beim urbanen Waldgarten in Berlin-Britz umgesetzt wurde: Obstgehölze und Wildobst bilden dort die Grundstruktur, darunter wachsen Sträucher mit essbaren Früchten sowie bodennahe Kräuter, Stauden und Gemüse.
Gerade vorhandene Obstgärten müssen daher nicht komplett umgestaltet werden. Oft besteht der sinnvollste Weg darin, die bisher fehlenden Schichten Stück für Stück zu ergänzen.

Wege, Licht und Wasser bei der Planung berücksichtigen

Bevor die ersten Pflanzen gekauft werden, lohnt sich ein einfacher Lageplan. Darauf sollten zunächst vorhandene Bäume, Gebäude, Grundstücksgrenzen, Wasserstellen und Hauptwege eingezeichnet werden.
Danach lässt sich beobachten, wo die Sonne im Frühling und Sommer steht. Das ist besonders wichtig, weil ein junger Obstbaum anfangs nur wenig Schatten wirft, zehn Jahre später jedoch einen erheblich größeren Bereich beschatten kann.
Auch Wege sollten von Anfang an berücksichtigt werden.
Ein produktiver Waldgarten bringt wenig, wenn Johannisbeeren, Kräuter oder Obst später kaum erreichbar sind. Kleine Lichtungen und offene Bereiche gehören deshalb genauso zur Planung
wie dicht bepflanzte Zonen. Martin Crawfords Standardwerk zum Forest Gardening behandelt neben den verschiedenen Pflanzenschichten ausdrücklich auch Lichtungen, Wege, Windschutz und die laufende Pflege als Bestandteile der Planung.
Wasser ist vor allem während der Etablierungsphase relevant. Neu gepflanzte Bäume und Sträucher benötigen zunächst zuverlässige Wasserversorgung, bevor sich größere Wurzelsysteme entwickelt haben. Möglichkeiten zur Regenwassernutzung können deshalb bereits bei der Gartenplanung berücksichtigt werden.
Ein Waldgarten muss nicht wild und ungeordnet aussehen!
Ein häufiges Missverständnis besteht darin, einen Waldgarten mit einer komplett sich selbst überlassenen Fläche gleichzusetzen. Tatsächlich handelt es sich um ein gestaltetes System.
Es kann sehr natürlich wirken, gleichzeitig aber klare Wege, definierte Pflanzbereiche, Sitzplätze und offene Sichtachsen besitzen.
Wer einen gepflegteren Stil bevorzugt, kann beispielsweise geschwungene Holzhäckselwege mit klaren Beeträndern kombinieren. Wer es naturnäher mag, lässt Pflanzen stärker ineinanderwachsen.
Auch bei der Artenauswahl muss nicht ausschließlich auf essbare Pflanzen gesetzt werden. Pflanzen können unterschiedliche Funktionen erfüllen: Nahrung liefern, blühen, Boden bedecken, Lebensraum schaffen oder einfach gestalterisch interessant sein.
Untersuchungen temperierter Waldgärten zeigen entsprechend eine große Vielfalt von Pflanzenarten und Nutzungsformen.
Die beste Idee für Anfänger: mit einer Waldgarten-Insel beginnen
Wer noch keine Erfahrung mit Waldgärten hat, muss nicht sofort den ganzen Garten umgestalten.
Eine einzelne Waldgarten-Insel ist ein guter Test.
Dafür kann beispielsweise rund um einen vorhandenen Obstbaum ein kleiner Bereich vom Rasen getrennt werden. Einige Beerensträucher schaffen die mittlere Ebene, mehrjährige Kräuter und Erdbeeren bilden niedrigere Schichten. Ein Mulchweg ermöglicht den Zugang.
So lässt sich über mehrere Vegetationsperioden beobachten, welche Kombinationen am eigenen Standort funktionieren. Wenn die Fläche überzeugt, kann die nächste Insel entstehen. Langfristig können mehrere solcher Bereiche durch Wege, Hecken oder zusammenhängende Pflanzungen miteinander verbunden werden.
Sinnvolle Reihenfolge beim
Waldgarten
Am Anfang sollte deshalb nicht die Frage stehen: „Welche 50 Pflanzen kaufe ich?“, sondern: „Wie soll dieser Garten in zehn Jahren aufgebaut sein?“
Zuerst werden Standort, Licht, Boden und vorhandene Vegetation analysiert. Danach folgen Wege und die langfristige Gehölzstruktur. Anschließend können Sträucher und größere Stauden gesetzt werden. Bodendecker, Kräuter und Kletterpflanzen ergänzen das System nach und nach.
Diese schrittweise Entwicklung hat einen weiteren Vorteil: Nach den ersten Jahren lässt sich beobachten, welche Bereiche trockener, feuchter, sonniger oder schattiger geworden sind. Die nächste Pflanzung kann dann an die tatsächlichen Bedingungen angepasst werden.
Zusammenfassung
Einen Waldgarten anzulegen bedeutet, essbare und nützliche Pflanzen in mehreren Höhenstufen miteinander zu kombinieren. Bäume bilden die langfristige Struktur, darunter können Beerensträucher, Stauden, Kräuter, Bodendecker und Kletterpflanzen wachsen.
Besonders wichtig sind ausreichend Licht, passende Pflanzabstände, erreichbare Wege und eine langfristige Planung der Gehölze.
Dabei muss ein Waldgarten weder riesig noch vollkommen wild sein. Schon ein Obstbaum mit Beerensträuchern, Kräutern und Bodendeckern kann der Ausgangspunkt für einen kleinen essbaren Waldgarten sein. Wer schrittweise beginnt und den Standort beobachtet, kann das System über mehrere Jahre weiterentwickeln.
Quellen
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Royal Horticultural Society (RHS): Informationen zu mehrschichtiger Wald- und Waldrandbepflanzung sowie kompakten Food-Forest-Konzepten.
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Agroforestry Research Trust / Martin Crawford: Creating a Forest Garden – Grundlagen zu Aufbau, Pflanzenschichten, Gestaltung und Pflege von Waldgärten.
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Agroforestry Research Trust: Forschung zu temperierten Waldgärten, Pflanzenvielfalt und verschiedenen Nutzungsformen.
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Bezirksamt Neukölln von Berlin: Beschreibung des Urbanen Waldgartens Britz und seines mehrschichtigen Aufbaus aus Obstgehölzen, Sträuchern, Kräutern, Stauden und Gemüse.
